Montagmorgen auf dem Platz der alten Synagoge. Während Studierende und Dozent*innen ihre Räder abstellen, um in die ersten Veranstaltungen der Universitätswoche zu starten, ist wenige Meter weiter eine Leinwand aufgespannt, Farben und Pinsel stehen bereit. Beim Infostand unter der Frage „Wie sieht deine Stadt der Zukunft aus?“ geht es nicht nur darum, interessante Ideen und Impulse rund um das Zukunftsthema Nachhaltigkeit zu sammeln und auf die Leinwand zu bringen. Es ist
auch die erste von 26 kreativen, unterhaltsamen und wegweisenden Veranstaltungen, die in der Nachhaltigkeitswoche auf die Beine gestellt werden sollen, so viele wie nie zuvor. In den Dialog kommen, das ist die erste große Botschaft der Nachhaltigkeistage.

Tag 2, Dienstag, Innenhof der Evangelischen Hochschule. Rund ein Dutzend Studierende rund um Manu, Mitorganisator der Hochschultage, haben sich an der EH versammelt, um im Kreativworkshop ihre Vorstellungen, Ideen und Visionen der Stadt von morgen auszutauschen. Am selben Abend finden weitere Veranstaltungen statt, so etwa ein spannender, feministischer Stadtrundgang der Politikerin Birgit Heidtke und ein Vortrag des Sozialwissenschaftlers Günter Rausch rund um bezahlbares Wohnen, der anknüpfend an die Dietenbach-Debatte Ausblick darüber gibt, wie die Stadt günstigen Wohnraum für alle schaffen kann, was schließlich auch eine Frage des sozialen Zusammenhalts sei.

Als spannend erweist sich auch ein Vortrag am Mittwoch, der Wege in die autofreie Stadt aufzeigen soll. Wie kann die Stadt, wie können Bürger*innen und Politiker*innen mehr umweltfreundlichen Verkehr auf die Kette bringen?

Dass die Hochschultage auch über Freiburg hinaus die Menschen zum Umsteigen und Umdenken bewegen wollen, zeigt dabei die Einladung des Potsdamer Verkehrsaktivisten und Wissenschaftlers Dr. von Schneidemesser.

Absolutes Highlight für viele Interessierte ist der im Anschluss stattfindende Poetryslam am Mittwochabend, der das Spannungsfeld zwischen witzigem Unterhaltungsabend und ernster thematischer Behandlung der Klimakrise unter einen Hut bringt.

Auch am Donnerstag kommen Freiburger*innen und Interessierte von außerhalb voll auf ihre Kosten: Schwerpunkt liegt dabei bei der (Neu-)Entdeckung der Stadt: Unter den zwei großen Aspekten Postkolonialismus und Konsumkritik finden unter Leitung von Julia Rensing und Lisa Schneider zwei Rundgänge statt, die auch Ortskundigen einige versteckte nachhaltige Locations und Geheimtipps näher bringen, so etwa eine Station zur Verteilung von ökologisch angebautem Obst und Gemüse in einem Innenhof in der Belfortstraße.

Damit neben den Köpfen auch die Mägen profitieren, geht es wenige Stunden später zur Schnibbeldisko in die Studierendensiedlung, wo ebenfalls großen Wert auf zugleich lokale, ökologische und vegane Ernäherung gelegt wird, mit dem Schwerpunkt der Müllvermeidung.

In der Einführung des konsumkritischen Stadtrundgang geht es darum, verschiedene Konsumthemen und den persönlichen Umgang mit diesen zu reflektieren und zu diskutieren.

Doch angesichts der vielen Inputs, die die Veranstaltungen den Teilnehmenden mit nach Hause geben, stellt sich natürlich die Frage: Wie geht es jetzt weiter? Keine Antwort, dafür aber einige Impulse dazu liefert der Markt der Möglichkeiten am Freitagnachmittag, bei dem erneut die Vielfalt der Nachhaltigkeitsgruppen deutlich wird. In einem unverbindlichen Rahmen können Besucher*innen sich dort mit den Aktiven – sei es von Greenpeace, Sneep oder Campusgrün – austauschen und in Kontakt bleiben.

Auch die Kommunikation zwischen den einzelnen Nachhaltigkeits-Communities ist dabei ein wichtiger Bestandteil der Messe im Mensagarten. Ziel ist es, durch die Vernetzung der vielen verschiedenen Nachhaltigkeitsinitiativen Synergie-Effekte zu erreichen und als gesamte Nachhaltigkeitsbewegung noch mehr Bewusstsein für das wichtige Thema zu verwirklichen.

Der Samstag wird als aktivistischer Abschlusstag genutzt – beim Parking-Day geht es darum, einen Parkplatz in der Wihelmstraße zu besetzen, um erstens auf den Platzbedarf von überwiegend stillstehenden Autos in der Innenstadt aufmerksam zu machen, zweitens auf einem Sofa miteinander ins Gespräch zu kommen und drittens auch über die Nachhaltigkeitswoche hinaus ein Zeichen für die Verkehrswende zu setzen. Angesichts des Feedbacks der Anwohner*innen, die überwiegend sehr viel Zustimmung mit unserer Protestaktion zeigen, steht auch einer Wiederholung einer solchen Aktion nichts im Wege.

Fazit: Die Hochschultage 2019 waren eine spannende Einführung in das interdisziplinäre Themenfeld Nachhaltigkeit. Sowohl Studierende als auch Interessierte aus allen Altersgruppen sind in den Austausch gekommen, haben sich an Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Kreativworkshops beteiligt und ihre Fragen und Anliegen geäußert. Auch der Schwerpunkt ZukunftswerkStadt kam gut bei den Teilnehmenden an – nicht zuletzt deshalb, weil festgestellt wurde, dass in Freiburg auf dem Weg zur selbsternannten „Green City“ noch viel zutun ist. Darauf aufbauend wollen wir Nachhaltigkeit auch in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten in zahlreichen Formaten zum Ausdruck bringen – und freuen uns, wenn wieder viele interessierte und engagierte Köpfe dabei sind.

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