Die erste Veranstaltung der Ringvorlesung im Wintersemester 2019/20 hatte die Verknüpfung von Biodiversität, Diversität und Gender im Fokus. Dabei gelang es den Referentinnen Aniela Knoblich (Stabstelle Gender & Diversity Uni Freiburg) und Marion Mangelsdorf (Zentrum für Anthropologie und Gender) unter der Moderation von Benjamin Thober und Teresa Ziegler (beide Initiative Nachhaltigkeitsbüro) diesen breit gespannten Bogen mit spannenden Erfahrungen, interessanten Verknüpfungen und vielschichtigen Beobachtungen zu füllen.
Zunächst berichtete Aniela Knoblich von ihren Erfahrungen bei der Arbeit in der Stabstelle Gender & Diversity an der Uni Freiburg. Mit dem sogenannten Diversity Wheel gab sie einen Überblick über die verschiedenen Dimensionen von Diversität. Zur inneren Dimension zählen dabei Aspekte wie Geschlecht, Alter und sexuelle Orientierung; die äußere Dimension umfasst unter anderem Religion und Weltanschauung und die organisatorische Dimension berücksichtigt beispielsweise den Arbeitsort einer Person und deren Funktion im Betrieb. Sie berichtete von sehr verschiedenen Einstellungen zum Thema Diversity an der Universität. Häufige Vorwürfe reichen von „linker Ideologie“ über „Trend aus den USA“ bis hin zu „Einmischung in die Wissenschaftsfreiheit“. Dabei sei gerade an der Universität die Förderung von Diversity wichtig, denn neben der gesetzlichen Verpflichtung der Hochschulen kommt ihr auch eine soziale Verantwortung zu und nicht zuletzt wurde erhöhte Diversity in Studien auch mit gesteigertem (Geschäfts-)Erfolg
in Verbindung gebracht. Arbeit an Diversity sei Arbeit an sozialer Nachhaltigkeit, die für eine sozial-ökologische Transformation unabdingbar sei. Knoblich zeichnete Parallelen zwischen Diversity und Nachhaltigkeit unter anderem in deren Forderung nach Verhaltensänderung der*des Einzelnen und dem stetigen Kampf gegen Widerstand. Sie wies auch auf die These hin, dass Wertschätzung für Mitmenschen und Wertschätzung für Umwelt sich gegenseitig bestärken können.
Marion Mangelsdorf begann ihren Vortrag mit einer Einführung in die Begrifflichkeiten der (Bio-)diversität und Geschlechterforschung, wobei sie auf deren untrennbare soziale, ökologischen und ökonomische Elemente verwies. Das Zitat „Hinter jedem Baum steckt auch ein Mensch“ leitete in das Grundkonzept des „gender-responsive participatory research“ über, welche sich mit Methoden zur Beteiligung der verschiedenen Gruppen an der nachhaltigen Bewirtschaftung ihres Landes beschäftigt. Ein besonderes Potenzial der geschlechterreflexiven Umweltforschung läge in der Integration kultur- und geschlechtsbedingter Unterschiede hinsichtlich des vorhandenen Wissens sowie des persönlichen Zugangs zur Natur. Marion Mangelsdorf berichtete zudem von ihren eigenen Erfahrungen bei Forschungsprojekten im Ausland, wobei sie auch den „sozialen gap“ bei
der Projektzusammenarbeit thematisierte. Von großer Wichtigkeit sei die Ablösung eines sprachlich geprägten Umgangs durch die Hinwendung zu einer umwelt- und
materiebezogenen Kommunikation, da vor allem hierdurch ein Zugang zu den Menschen vor Ort möglich gewesen sei. Kultur und Natur seien in ihrer Erfahrung nicht klar abgrenzbar, sondern stehen in einem stetigen Wechselspiel. Sowie der Wald die Grundlage für die Kultur der Bevölkerung sei, so präge diese wiederum die Konstruktion des Waldes.
Des Weiteren führte Mangelsdorf uns in das Konzept des „Marteloskops“ ein, welches als Methode zur Verbindung ökologischer und ökonomischer Perspektiven, insbesondere im Forstbereich, genutzt werden kann. So verkörpere dieses Projekt eine sinnbildliche Basis für nachhaltige Entwicklung, welche nur durch das Zusammenkommen verschiedener Interessengruppen und deren Auseinandersetzung miteinander möglich sei.
In der Diskussion wurde unter anderem die Vorreiterrolle von Gender in der Diversity-
Debatte hervorgehoben, die Prägung von Wissenschaft und Entwicklungszusammenarbeit durch ihre vorwiegend männliche und weiße Sichtweise kritisch reflektiert und die Stärkung von unterrepräsentierten Gruppen in deren eigenem kulturellen und sozialen Kontext als Priorität herausgearbeitet.

Nächster Termin:
21.11. Klimagerechtigkeit (HS 2004)
Tobias Kurzeder

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