Nachhaltigkeit ist in aller Munde und schon erobert ein weiterer Begriff den Diskurs, wie zukünftige Gesellschaften sozial-ökologisch gestaltet werden könnten: Resilienz. Doch welches Konzept steht hinter dem Begriff der Resilienz? Oder ist Resilienz „Nachhaltigkeit 2.0“?

Resilienz war das Thema der fünften Veranstaltung unserer Ringvorlesung. Aber was bedeutet der Begriff Resilienz? Moderiert von Susanne Ober und Veronica Gnisia, Nachhaltigkeitsbüro Uni Freiburg, ging Prof. Dr. Hartmut Fünfgeld zuerst auf den historischen Kontext des Begriffs Resilienz ein. Er schlug drei Verständnisse von Resilienz vor: ein technisches, ökologisches und soziales. Er definiert den Begriff Resilienz als eine kollektive Eigenschaft, sich für das Ziel einzusetzen, mensch-gemachte Systeme Veränderungen zum Trotz zu erhalten. Hiermit wird auch deutlich, dass Resilienz ein sehr konservatives Konzept ist, da das Ziel ist ein System so zu gestalten, dass es in den Status quo „zurück springt“. Eine Schwierigkeit ist hierbei festzulegen welcher Zustand eines Systems als erhaltenswert gilt.  Somit fehlt dem Konzept Resilienz auch eine Vision zur Transformation des status quos. Prof. Dr. Hartmut Fünfgeld sieht eine weiter Gefahr des Begriffes darin, dass „unter dem Deckmantel der Resilienz“ neoliberale Denkweisen verschleiert werden und somit politische Verantwortung auf andere Bevölkerungsschichten (sozio-ökonomische Diskrepanz) verschoben werden.

Dr. Roderich von Detten diskutierte Resilienz und Nachhaltigkeit aus Forstwissenschaftlicher Perspektive und legte den Fokus seiner Rede auf die Kritik des Nachhaltigkeitsdiskurses und verknüpfte diese mit einer Resilienzkritik. Er fragte sich, in wie weit beide Konzepte Unsicherheiten und Nichtwissen mit bedenken. Das Konzept Nachhaltigkeit schafft einen „vagen Konsens“, alles möchte „nachhaltig“ sein, und harmonisiert dabei darunter liegende Ungewissheiten und Zielkonflikte anstatt sie zu thematisieren. Dabei zeigt die Erfahrung im Forstbereich, dass die Praxis immer eine Mischung aus geplanten und ungeplanten ist es meistens anders kam als gedacht. Die Problematik hierbei, sieht er darin, dass Messungen der Resilienz von Wäldern in Anbetracht der erheblichen Klimaplastizität ungewiss sind. Die Gefahr des Resilienzkonzeptes besteht in einer Verengung des Diskurses hin zu Expertenmeinungen, die vermeintlich fixierte Schwellenwerte festlegen und damit die Erfahrungen der Praxis „meistens kam es anderes als gedacht“ vernachlässigen. Denn, die tatsächliche Resilienz von Wäldern kann ernst in Zukunft in 30 bis 100 Jahren erkannt werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.