Welche Auswirkungen haben neoliberale Wirtschaftsformen im Globalen Norden und Süden auf die Nachhaltigkeitsthematik? Mit dieser Frage befasste sich die vierte Ausgabe unserer Ringvorlesung. Dazu konnten wir mit unseren Referent*innen zwei spannende Perspektiven auf den Neoliberalismus einnehmen: In einem einführenden Vortrag wies Dr. Benedikt Schmid, der auch zu Postwachstumstheorien forscht, auf das wirtschaftliche Leitbild hin, das neoliberalistischen Governance-Formen zugrunde liegt: Demnach zielt effizientes Wirtschaften im Sinne eines kapitalistischen Systems primär auf die Mehrung von Geld ab. Konkret sei dies anhand von Maßnahmen zur Deregulierung, Privatisierung und der steuerlichen Belastung vor allem von Unter- und Mittelschichten zu beobachten. Konfliktforscherin Dr. Alke Jenss gelang es anschließend, die autoritäre Dimension des Neoliberalismus zu verdeutlichen, indem sie am Beispiel Lateinamerikas und insbesondere Chiles den “Austerity urbanism” als Folge einer Politik des schlanken Staates ausmachte. Bürger*innen versuchen dabei, Infrastruktur in strukturgeschwächten Regionen wiederherzustellen, die im Vorfeld der neoliberalen Governance, sei es durch Unwirtschaftlichkeit der dortigen Investitionen, zum Opfer gefallen war. Solche lokalen Strukturschwächen führten in der Regel zu einer höherer Ungerechtigkeit und einer daraus gerechtfertigten höheren Polizeigewalt. Die anschließende Diskussion brachte die spannende Frage auf, was an “Neoliberalismus” das Liberale, das Freiheitliche ausmache. Die Referent*innen kamen zum Fazit, dass Freiheit immer unterschiedlich konnotiert sei und der Freiheitsgedanke im bürgerlichen Sinne den Neoliberalismus hinterfragen müsse.

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